Pfarrer und Pfarrerin

Martin Grüsser

Ich, Mar­tin Grüs­ser, bin in einem klei­nen Dorf im Süd­schwarz­wald auf­ge­wach­sen. In Rie­dern am Wald waren wir die ein­zi­ge evan­ge­li­sche Fami­lie im Dorf. Dort bin ich zur Grund­schu­le gegan­gen. Mein Abitur mach­te ich 1991 am Hoch­rhein-Gym­na­si­um in der nahen Kreis­stadt Waldshut. 

Ein Schlüs­sel­er­leb­nis inner­halb mei­ner Berufs­wahl war ein Gespräch auf dem Flur des Spi­tals Walds­hut. Als Zivil­dienst­leis­ten­der habe ich dort 15 Mona­te gear­bei­tet. Auf der Sta­ti­on auf der ich ein­ge­setzt war, ver­starb sehr plötz­lich älte­rer Mann. Die Ange­hö­ri­gen hat­ten kei­ne Zeit mehr gehabt, sich von ihm zu ver­ab­schie­den. Ich hat­te Nacht­schicht und war dabei als der Mann starb. In unse­rem Gespräch gelang es mir, der Fami­lie ihr schlech­tes Gewis­sen zu neh­men. Sie beru­hig­ten sich für den Moment. Sie konn­ten mir abneh­men, dass der Ver­stor­be­ne nicht allein gewe­sen war. Ich hat­te irgend­wie einen Weg zu den Ange­hö­ri­gen gefunden. 

In einer kirch­li­chen Fami­lie sozia­li­siert, lag es daher nicht fern, es ein­mal mit evan­ge­li­scher Theo­lo­gie zu pro­bie­ren. Seit mei­ner Kind­heit beglei­ten mich zahl­rei­che kir­chen­mu­si­ka­li­sche Akti­vi­tä­ten. Lan­ge habe ich in ver­schie­de­nen Chö­ren gesungen. 

Schon vor mei­nem Stu­di­um, aber beson­ders auch wäh­rend der Stu­di­en­jah­re in Wup­per­tal und Hei­del­berg, war ich begeis­tert von der Viel­falt des Chris­ten­tums. Wäh­rend der Jah­re als Pfar­rer in Frei­burg durf­te ich als Öku­menever­ant­wort­li­cher Besu­cher­grup­pen aus der Part­ner­kir­che in Bali beglei­ten. 2014 habe ich mit einer Frei­bur­ger Grup­pe dort einen Gegen­be­such gemacht.

Die ver­gan­ge­nen Jah­re als Pfar­rer in Davos Platz haben mei­nen kirch­li­chen Hori­zont wei­ter ver­tieft. Als Aus­län­der in einem ande­ren Land zu leben und zu arbei­ten hat mich sen­si­bel gemacht für den All­tag und die Erfah­rung von Migran­tin­nen und Migran­ten. Mein öku­me­ni­scher Erfah­rungs­schatz erwei­ter­te sich außer­dem durch gute Bezie­hun­gen zu eini­gen frei­kirch­li­chen Pfar­rern und ihren Gemeinden. 

In Davos habe ich ger­ne Gemein­de­nach­mit­ta­ge mit Vor­trä­gen, ein Erzähl-cafe, Aus­flü­ge und eine Frei­zeit für Senio­rin­nen und Senio­ren organisiert.

Juliane Grüsser

Wäh­rend mein Mann in einem Dorf im Süd­schwarz­ald auf­wuchs, stam­me ich aus dem Nord­schwarz­wald. In Bur­bach, in einem 1000 Ein­woh­ner-Dorf im Alb­tal, süd­lich von Karls­ru­he, habe ich eine behü­te­te Kind­heit erlebt. Wir waren als Fami­lie im Dorf inte­griert und enga­giert. Zum evan­ge­li­schen Got­tes­dienst muss­ten wir aller­dings eini­ge Dör­fer nach Lan­gen­alb wei­ter fah­ren, was die Sache für mich aber nur span­nen­der gemacht hat. Kin­der­got­tes­dienst, Jung­schar und spä­ter die Jugend­ge­mein­de in der benach­bar­ten Stadt Ett­lin­gen mit vie­len Som­mer­frei­zei­ten haben mich geprägt. 

Nach dem Abitur 1994 dach­te ich zwar zunächst dar­an in die Pfle­ge zu gehen und lern­te ein Jahr lang in einem Kran­ken­haus in Lud­wigs­ha­fen am Rhein, aber eine der dor­ti­gen Domi­ni­ka­ni­schen Lehr-Schwes­tern ermu­tig­te mich, doch ein Theo­lo­gie­stu­di­um zu wagen. Ich büf­fel­te mich durch sämt­li­che alte Spra­chen in Mainz, wech­sel­te spä­ter erst nach Hei­del­berg und dann nach Basel. 

Die wich­ti­gen »Lehr­jah­re« als Vika­rin  habe ich in Frei­burg im damals neu ent­stan­de­nen Stadt­teil Rie­sel­feld und spä­ter in Pful­len­dorf am Boden­see ver­bracht. In Frei­burg habe ich auch Mar­tin wie­der getrof­fen und – das hät­te ich Jah­re zuvor mir nie­mals vor­stel­len kön­nen  – wir wur­den ein Paar. 

Unse­rer ers­te gemein­sa­me Stel­le als jun­ges Ehe­paar haben wir 2006 im Frei­bur­ger Stadt­teil St. Geor­gen ange­tre­ten. Wir waren Teil eines gro­ßen Teams von Pfarr­kol­le­gIn­nen und Dia­ko­nIn­nen, was unser Arbei­ten sicher geprägt hat. Ansons­ten stand Bau­en und Umstruk­tu­rie­ren auf unse­rer »To-Do-Lis­te«. Nach­dem Kin­der­gar­ten und Gemein­de­zen­trum als Neu­bau fer­tig gestellt waren und ein Wohn­pro­jekt für Demenz-Erkrank­te auf den Weg gebracht war, hat­ten wir uns das Pfarr­haus sel­ber »weg gekürzt«. Es war klar, dass ein Auf­bruch ansteht. 

Schon als Kind hat­te ich davon geträumt, ein­mal »rich­tig« in den Ber­gen zu leben und so mach­ten wir uns mit Mer­le und Phi­leas (damals 7 und 4) auf nach Grau­bün­den, nach Davos. Fast 7 Jah­re waren wir Teil der refor­mier­ten Bünd­ner Lan­des­kir­che und haben gelernt, Vie­les ein­mal aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve zu betrach­ten und anzu­pa­cken. Die Jah­re in Davos mit Schnee von Novem­ber bis Mai, ohne Nebel und mit viel gran­dio­ser Natur, wer­den wir als wert­voll im Her­zen behal­ten. Ich mei­ne auch, ein gewis­ser Abstand zur »Hei­mat« hat uns gut getan. Als Fami­lie sind wir inner­lich und äußer­lich – näm­lich mit Jami­na (inzwi­schen drei) – gewach­sen. Die Sehn­sucht, wirk­lich dazu zu gehö­ren, das Gefühl näher an den älter gewor­de­nen Eltern sein zu wol­len und man­ches mehr lässt sich wohl als eine Art »Heim­weh« begrei­fen, was uns schließ­lich bewo­gen hat, doch wie­der nach Baden zurück zu kehren. 

Und da sind wir jetzt: in den bei­den Kir­chen­ge­mein­den Kip­pen­heim und Schmie­heim. Wir sind dabei, die Men­schen ken­nen zu ler­nen. Wir wol­len uns ein­set­zen für eine gute Zusam­men­ar­beit zwi­schen Kip­pen­heim und Schmie­heim und im Süd­be­zirk. Mein Schwer­punkt liegt in der Reli­gi­ons­päd­ago­gik. Jugend­li­che, Kin­der und Fami­li­en lie­gen mir beson­ders am Her­zen. Sehr ger­ne berei­te ich auch Got­tes­diens­te im Team vor und – tat­säch­lich – schaf­fe ich ger­ne neue Struk­tu­ren. Ich bin gespannt, was ich hier mit Ande­ren auf­bau­en oder – nach Coro­na – wie­der bele­ben kann.

Kon­takt: pfarramt(ät)evang-kirche-schmieheim.de