13. Der jüdische Friedhof in Schmieheim

 
 
Vom Schloss aus sind es zu Fuß knapp 10 Minuten zum jüdischen Friedhof. Am einfachsten zu finden ist der Weg, wenn wir durch das Tor aus dem Schlossgarten herausgehen, dann links an der Schlossmauer entlang die Schlossstraße einschlagen. Vorbei an einem restaurierten Brunnen biegen wir nach der Linkskurve der Schlossstraße gleich rechts in die Sportplatzstraße ein. Wir folgen den Schildern „Friedhof". Nach kurzer Strecke biegen wir an der ersten Kreuzung rechts ein auf den Zufahrtsweg zum neuen Friedhof. Dieser Weg steigt nach einer Kurve etwas an und führt uns zum Haupteingang des neuen Friedhofs. Wir gehen geradeaus durch den Friedhof hindurch und verlassen ihn durch den Hinterausgang. Nun stehen wir genau vor dem jüdischen Friedhof.

Wer den Weg mit dem Auto fahren will, verlässt Schmieheim über die Dorfstraße, biegt beim Ortsausgang auf die Kreisstraße nach links Richtung Wallburg ein. Nach ca. 500 m liegt der jüdische Friedhof links direkt an der Kreisstraße. Parkplätze finden sich, wenn man direkt vor dem Friedhof links den steilen Weg hinauffährt. 

Das Betreten des Friedhofs ist nur bei einer bei der jüdischen gemeinde angemeldeten Führung möglich. Wir besichtigen den Friedhof deshalb durch einen Gang entlang der Mauer von außen. 

Der Schmieheimer Judenfriedhof wurde von den jüdischen Gemeinden der Region (Altdorf, Ettenheim, Friesenheim, Kippenheim, Lahr, Nonnenweier, Orschweier, Rust und Schmieheim) gemeinsam getragen, er war also ein Verbandsfriedhof. Vor der Einrichtung des jüdischen Friedhofs in Freiburg wurden auch von dort Tote in Schmieheim beigesetzt. Die israelitische Gemeinde Nonnenweier löste sich um 1880 aus dem Friedhofsverband Schmieheim und legte einen eigenen Friedhof an. Die Diersburger Juden besaßen schon seit 1773 eine eigene Begräbnisstätte. 

Am Schmieheimer Friedhof läßt sich die wechselhafte Geschichte der Juden in der Ortenau ablesen. Er wurde vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts angelegt, als sich die ersten Juden wieder in der Region niederlassen durften. Er ist der größte jüdische Verbandsfriedhof (140 Ar) in Südbaden und birgt etwa 2500 Gräber. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich 1682, der älteste noch erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1701. Er trägt, wie die anderen Grabmale aus der Zeit der Ghettoisierung, nur hebräische Schriftzeichen, während die Steine aus der Zeit nach der Judenemanzipation auf der vorderen Seite hebräische und auf der Rückseite lateinische Buchstaben zeigen. Etliche Gräber aus dem 20. Jahrhundert sind von christlichen Gräbern kaum zu unterscheiden und spiegeln den Assimilationswillen der Juden in die christliche Mehrheitsgesellschaft wieder. Von Bedeutung sind die verschiedenen, in Stein gehauenen Symbole, von denen sich etliche auf den Grabsteinen des Schmieheimer Friedhofs finden lassen.
 
Einige religiöse Symbole

Segnende Hände: Auf Gräbern von Nachkommen eines Cohen (Priester), aus der Zeit des Jerusalemer Tempels. Viele dieser Gräber befinden sich an der Nordseite der Friedhofsmauer. Männliche Familienangehörige, die auch Cohen-Nachkommen sind, konnten so die Gräber besuchen, ohne durch das Betreten des Friedhofs die besonderen priesterlichen Reinheitsgebote zu verletzen und so unrein zu werden.

Schofarhorn: Es ist ein Ehrenamt der jüdischen Gemeinde, dieses Widderhorn an den Feiertagen Rosch Haschanah und Jom Kippur zu blasen. Bei verdienten Männern der jüdischen Gemeinden findet sich dieses Symbol auf ihrem Grabstein.

Kannen: Auf Gräbern von Nachkommen der Leviten (Priestergehilfen), aus der Zeit des Jerusalemer Tempels. Der Krug dient der rituellen Handwaschung.

Auf dem Friedhof befindet sich auch das Kriegerdenkmal der jüdischen Verbandsgemeinden, welches 1919 oder 1920 zum Gedenken an die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet wurde. Es soll die von Antisemiten in Abrede gestellte Verbundenheit der Juden zu ihrem deutschen Vaterland dokumentieren. 

1933 kam es zu Beginn der NS-Zeit zu ersten Schändungen des Friedhofs. In der Zeit der Verfolgung im Dritten Reich war es ab 1938 kaum mehr möglich, einen Grabstein anfertigen zu lassen, so daß einige Gräber ohne Stein blieben und heute nicht mehr zu identifizieren sind. In den Pogromtagen im November 1938 wurde die Leichenhalle in Brand gesteckt, viele Grabsteine wurden umgestoßen. Der Brand wurde vom damaligen Ortspfarrer Schloer und anderen Schmieheimer Bürgern gelöscht. Dennoch wurde die Leichenhalle zerstört.

Nach Kriegsende stellten Schmieheimer Bürger - von der französischen Militärverwaltung aufgefordert - die umgeworfenen Grabsteine wieder auf. Bis in unsere Zeit hinein kam es immer wieder zu Grabschändungen, die Täter konnten jedoch meist nicht ermittelt werden.

Die Pflege des Friedhofs liegt nun in den Händen der Kommune Kippenheim-Schmieheim. Da die Grabpflege wie auf christlichen Friedhöfen in der jüdischen Tradition nicht üblich ist, wächst zwischen den Gräbern Gras, das lediglich regelmäßig gemäht wird. Weil die Juden auf die leibliche Auferstehung hoffen, werden alte Gräber aber nicht abgeräumt, sondern werden dem allmählichen Verfall überlassen und verbinden sich mit der Zeit mit der Erde. So sind einige der älteren Grabsteine bereits nicht mehr vorhanden.

Die Kommune Kippenheim-Schmieheim ließ im Sommer 1998 das Kriegerdenkmal, das an den 1.Weltkrieg erinnert, restaurieren. 1999 konnte nach mehrjähriger Arbeit eine ausführliche Dokumentation über den Schmieheimer Judenfriedhof herausgegeben werden. Dabei wurden alle Grabsteine fotografiert, die Inschriften ins Deutsche übersetzt und die Daten mit Ortssippenbüchern und Archiven verglichen. Die Ergebnisse sind nun in einem Memorbuch zusammengefasst, in dem jedes einzelne Grab mit Bild dokumentiert ist. Dieses Memorbuch ist erhältlich bei der Kommune Kippenheim.

Weitere Informationen über den jüdischen Friedhof in Schmieheim finden sich auf den Seiten den Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim e.V.

März 2003   verantwortlich: Matthias Kreplin