5. Das jüdische Schulhaus und Rabbinatsgebäude

 
 


 

Wir gehen die Kirchstraße weiter Richtung Kirche. Vor der Kirche biegen wir links in einen Hof ein. Nach einigen Schritten stehen wir vor dem ehemaligen jüdischen Schulhaus.

Nach der Gründung des Großherzogtums Baden 1806 verbesserte sich nach und nach die Situation der Juden. Nachdem 1809 die staatl. Schulpflicht für jüdische Kinder eingeführt wurde, bekamen die Kinder Unterricht, zum Teil auch im Schloss. Ein eigenes Schulhaus wurde geplant. Doch erst 1867 konnte dieser Neubau eingeweiht werden. Die politische Gemeinde gewährte keine finanzielle Unterstützung. So musste sie, nachdem ein paar Jahre später die Simultanschule eingeführt wurde, Miete für die Nutzung des Schulhauses an die jüdische Gemeinde zahlen. Fortan wurden alle Schmieheimer Kinder gemeinsam - nur nach Klassen getrennt - in der Unterschule (dem jüdischen Schulhaus) und der Oberschule (dem alten christlichen Schulhaus, zwischen Kirche und Dorfstraße gelegen) unterrichtet. Neben evangelischem gab es jüdischen Religionsunterricht. In der Verwaltung der Schule arbeiteten christliche und jüdische Gemeindevorstände einvernehmlich zusammen.

Das Gebäude diente bis 1893, als das Bezirksrabbinat nach Offenburg verlegt wurde, auch als Sitz des Rabbinats. Im Obergeschoss war auch die Dienstwohnung des jüdischen Kantors untergebracht. Der Kantor nimmt beim jüdischen Gottesdienst die Funktion eines Vorsängers ein. Der letzte Kantor der jüdischen Gemeinde Schmieheim war Abraham Bloch, der Großvater von Hanna Baumann. Er wurde 1861 geboren und 1940 zunächst nach Gurs deportiert. 1942 wurde er von dort aus an einen unbekannten Ort verschleppt. Seine Frau Hannchen Bloch starb bereits 1927. Sie liegt auf dem jüdischen Friedhof begraben.

Nach ihrer Heirat waren Hanna Baumanns Eltern in das Obergeschoss des jüdischen Schulhauses eingezogen. Hanna Baumann lebte so die ersten vier Lebensjahre in diesem Haus.

Heute ist dieses Haus ein Wohnhaus.

Oktober 1999   verantwortlich: Matthias Kreplin