2. Die ehemalige Synagoge

 
 
Wir gehen vom Schloss zur Einfahrt in den Schlossgarten (mit Tor) und gehen rechter Hand in das Stück der Schlosstraße 19-27 (Sackgasse).

In diesem Gebiet befanden sich viele jüdische Häuser, unter anderem am Anfang des Kirchgässles linker Hand die Matzenbäckerei Hofmann. Auch Christen halfen in dieser Matzenbäckerei mit, wenn es in der Vorbereitung des Pessach-Festes galt, Matzen (ungesäuertes Weizenbrot) für Schmieheimer und auswärtige Juden zu backen. Matzen wurden auch bis nach Mannheim geliefert.


 
 

Am Ende der Sackgasse steigen wir einige Stufen hinauf. Das Gebäude linker Hand war früher die Synagoge. Das nebenstehende Bild zeigt das Gebäude heute. Nach dem Krieg wurden der weiße Gebäudetrackt und der Vorbau hinter dem PKW angebaut. Rechts neben der Synagoge befindet sich heute der evangelische Hanna-Baumann-Kindergarten.

Vermutlich 1720 wurde in Schmieheim eine erste Synagoge gebaut. Da sie zu klein wurde, strebte die jüdische Gemeinde einen Neubau an, der 1812 erfolgte. Zur Finanzierung der Baukosten versteigerte die Gemeinde die Plätze in der Synagoge, was zu internen Streitereien führte. Die Juden baten um finanzielle Unterstützung durch Überlassung von Bauholz. Sie erhielten es aus Gemeindebesitz, mussten dafür aber zahlen. 

Für die Instandhaltung der Synagoge wurde zunächst nicht gesorgt. 1843 traf man die Synagoge innen und außen in einem verwahrlosten Zustand an. Bei der Renovierung wurde die Zahl der Sitzplätze erhöht. Die Neueinweihung fand am 7.8.1846 statt. Das nebenstehende Bild zeigt das Innere der Synagoge im Jahr 1905.

Am 9./10. November 1938, in der sogenannten Reichskristallnacht, wurde in Schmieheim - wie überall im Deutschen Reich - ein Anschlag auf die Synagoge verübt. Dieser kam völlig überraschend, da die jüdische Gemeinde in den vorausgehenden Jahren keinerlei Behinderung in ihrem religiösen Leben erfahren hatte. In der „Reichskristallnacht" brach ein auswärtiges Terrorkommando, unter Anführung des aus Schmieheim stammenden Otto Lerch, in die Schmieheimer Synagoge ein. Die Nationalsozialisten rissen Kronleuchter von der Decke, zerschlugen die Fenster und verwüsteten die Innenräume, die sieben Torarollen wurden wie Teppiche auf dem Boden ausgerollt und hinausgetragen, einige von ihnen hängte man als Schaustücke in der Bahnstation Dinglingen auf. Das Torasilber wurde entwendet. Bodenteppiche wurden zur Aufbewahrung ins Rathaus gebracht. Das Terrorkommando wollte die Synagoge niederbrennen, dies konnte aber der ehemalige Bürgermeister Huck verhindern. Ein Brand hätte den ganzen Schmieheimer Ortskern gefährdet.

Am Tag nach der Verwüstung der Schmieheimer Synagoge organisierten der damalige Pfarrer Schloer, Bürgermeister Huck und Fabrikant Hiller eine Bewachung des Dorfes. So konnte verhindert werden, dass aus Ettenheim anrückende Arbeiter die jüdischen Geschäfte Schmieheims plünderten. Nicht verhindert werden konnte aber, dass die Leichenhalle des jüdischen Friedhofs in Flammen aufging und Gräber geschändet wurden.

Das Bild links zeigt die leerstehende Synagoge nach dem Krieg. Einige Zeit später wurde sie zu einer Fabrik umgebaut. Seit einigen Jahren wird sie als Wohnhaus genutzt. Allein die nur von der Kirchstraße her zugängliche Westfassade (siehe letztes Bild) zeigt heute noch, dass dieses Gebäude einst eine Synagoge war. 

Oktober 1999   verantwortlich: Matthias Kreplin