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Wir beginnen den Rundgang durch das jüdische Schmieheim beim Schloss, dem Zentrum des Ortes. Das Schmieheimer Schloss wurde 1606/1609 von Claus Friedrich Böcklin von Böcklinsau als Landsitz erbaut. Heute befindet sich im Schloss die Ortsverwaltung. Bis 1998 war im 1. Stock der evangelische Kindergarten untergebracht. Das Bild links zeigt den Zustand des Schlosses vor der Restaurierung in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Das Bild rechts zeigt das Schloss im heutigen Zustand.
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| Wichtige Daten aus der Geschichte der jüdischen
Gemeinde Schmieheims
1624 In der Dorfordnung, die der Erbauer des Schlosses erlassen hatte, wurde der Handel mit Juden verboten. 1682 Gründung des jüdischen Friedhofs in Schmieheim
durch die jüdische Gemeinde in Ettenheim (erste nachweisbare Bestattung
1701). Juden eine Ansiedlungserlaubnis zu erteilen lag in den Händen
der jeweiligen Herrschaft. Diese Möglichkeit wurde von den Grundherren
gern in Anspruch genommen, da durch die Erhebung von Sondersteuern zusätzliche
Geldbeträge in die Kasse flossen.
Wohl um 1700 wurde die jüdische Gemeinde in Schmieheim gegründet. 1709 werden die Familien Levi, Schnurmann und Dreyfuß erwähnt. In den folgenden Jahrzehnten bildete sich eine religiöse Gemeinschaft mit Judenschultheiß, Synagogenrat und Rabbiner. 1720 wurde eine erste Synagoge erbaut. 1747 Namentliche Erwähnung der Familien Bloch und Baumann. Aufgrund des Anstiegs der Zahl der Israeliten auf 80 erfolgte eine Klage der übrigen Bürger bei Amtmann Wild am 20. Mai. Diese hatte Sonderabgaben für den Kauf bzw. Umbau eines Hauses sowie ein einjähriges Rückkaufrecht des Vorbesitzers zur Folge. 1758 10 von 28 Familien waren im Besitz eigener Häuser. 1806 Gründung des Großherzogtums Baden. Juden erlangten im Laufe der folgenden Jahrzehnte bis 1862 schrittweise die volle Gleichberechtigung. So erhielten sie das Recht, uneingeschränkt Land zu erwerben, ihren Wohnsitz und Beruf frei zu wählen und schließlich auch das Bürgerrecht, das ihnen einen Anteil an der Dorfallmende (gemeinsamer Besitz des Dorfes an Wald und Wiesen) sicherte. 1812 Neubau der Synagoge, da die alte zu klein geworden war. 1827 Schmieheim wird Sitz des neu geschaffenen Bezirksrabbinats. Im 19. Jahrhundert stieg der Anteil der jüdischen Bevölkerung
zunächst kontinuierlich, bis er 1860 nahezu 50% der Gesamtbevölkerung
betrug. Schmieheim war in dieser Zeit Zentrum des Judentums der südlichen
Ortenau.
Im letzten Drittel des 19. Jahrh underts kam es zu einer starken Abwanderung von Juden in die Städte oder nach Amerika. Dort erhofften sich die meist ärmeren Schmieheimer Juden bessere Verdienstmöglichkeiten. Im Zuge der Abwanderung verlor Schmieheim seine Bedeutung als jüdisches Zentrum. So wurde auch das Bezirksrabbinat 1893 nach Offenburg verlegt. Dennoch kam es
1901 Errichtung einer jüdisch-christlichen Krankenstation. Es entwickelte sich ein gutes Miteinander von Juden und Christen. 1924 Gründung des Musikvereins unter Beteiligung jüdischer Mitbürger. 1933 Bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten lebten
etwa 70 Jüdinnen und Juden in Schmieheim. Die Juden stellten einen
Großteil der Geschäftsleute.
1933 Als Folge von Boykott und Diffamierung kam es zu ersten Auswanderungen. Kurz nach der Machtübernahme wurden die Juden aus dem Musikverein ausgeschlossen. 9./10.11.1938 im Zuge der „Reichskristallnacht" wurden Synagoge und Friedhof geschändet und verwüstet. Die jüdischen Männer wurden verhaftet und für einige Wochen ins KZ Dachau gebracht. In der Folge wanderte ein Großteil der jüdischen Bevölkerung in die anonymeren Städte ab oder floh ins Ausland. 1939 lebten noch 22 Juden in Schmieheim. 22.10.1940 Deportation der badischen Juden ins Lager Gurs (Frankreich). 16 noch in Schmieheim verbliebene Juden wurden verschleppt. Viele der nach Gurs deportierten sowie alle in Schmieheim verbliebenen Juden wurden 1941/42 in Auschwitz, Theresienstadt oder Izbica ermordet. Insgesamt etwa 70 aus Schmieheim stammende Personen wurden umgebracht. |
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| Oktober 1999 verantwortlich: Matthias Kreplin |